Peggy Schneider. Danza dell'acqua

Identität und Dekor

Bereits in ihrem Studium der Freien Kunst erkannte Peggy Schneider den ideellen Wert von Alltags-Dekor. Anhand von Tapeten, die sie aus verfallenden, aber auch aus zur Renovierung anstehenden Häusern birgt, verdeutlicht uns die Künstlerin die Interdependenz von persönlichem Geschmack und umgebendem Design, von Sozialisation, Identität und Heimat-Gefühl. In Danza dell' acqua werden solche Tapeten zu Bikinis nach Schnittmustern aus DDR-Modezeitschriften der 70er Jahre verarbeitet. Das Werk ruft damit ein DDR-spezifisches Paradoxon in Erinnerung: Durch die permanente Notwendigkeit zum erfindungsreichen Improvisieren und Kombinieren wurden die begrenzten und landeseinheitlichen gestalterischen Vorgaben ständig aufs radikal Individuelle hin überschritten. Für die Arbeit stehen zudem Hundertwassers 1967 formulierte "Fünf Häute des Menschen" Pate. In diesem Konzept werden soziale Identität und (Um)welt nach Haut, Kleidung und den 'eigenen vier Wänden' dem Menschen auf den Leib geschrieben und in ihrer Relevanz für jede/n Einzelne/n sichtbar gemacht. Peggy Schneider näht aus Dritter Haut (Tapeten) Zweite Haut (Bademode), die jede Menge Erster Haut zur Geltung bringt, und thematisiert mit der Wahl des Dekors die Vierte Haut von sozialem Umfeld und Identität. Die fünfte Haut erscheint in der Installation und Umnutzung eines geschlossenen Schwimmbades, der Location der Begehungen 2022.

Dr. Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Der Text erscheint zuerst im Katalogband des begehungen-festival Chemnitz/ Thalheim 2022.